Warum gibt es überhaupt einen Zahnwechsel?
Auch der Zahnwechsel ist eine Besonderheit in unserem Gebiss. Im frühen Säuglingsalter brechen bereits die ersten Zähne in unserem unbezahnten Kiefer durch.
Fachlich spricht man beim Zahnwechsel vom Zahndurchbruch bleibender Zähne.
Das Milchgebiss ist perfekt an den kleinen Kiefer von Babys und Kleinkindern angepasst.
Es besteht aus 20 Zähnen und dient als wichtiger Platzhalter für das spätere, bleibende Gebiss.
So verläuft der Zahnwechsel
Mit dem Wachstum des Kindes wird auch der Kiefer größer.
Die 20 kleinen Milchzähne würden im Kiefer eines Jugendlichen oder Erwachsenen verloren aussehen und die Kauflächen wären nicht mehr ausreichend.
Der Körper hat dafür eine geniale Lösung entwickelt - den Zahnwechsel.
Dieser Prozess sorgt dafür, dass das Verhältnis zwischen Kiefergröße und Zahnanzahl im Gleichgewicht bleibt.
Der Zahnwechsel ist Teil der natürlichen Zahnentwicklung und beginnt lange bevor ein Zahn sichtbar wackelt.
Die 32 bleibenden Zähne sind größer und robuster, um den Anforderungen des Erwachsenenlebens gerecht zu werden.
Der Zahnwechsel ist also ein natürlicher und notwendiger Schritt für die Entwicklung eines funktionsfähigen und gesunden Gebisses.
Die drei Phasen des Zahnwechsels
Der Zahnwechsel verläuft nicht auf einmal, sondern erstreckt sich über mehrere Jahre – in der Regel vom 6. bis zum 13. Lebensjahr.
Manchmal kann dieser Prozess sogar bis ins junge Erwachsenenalter andauern, wenn die Weisheitszähne durchbrechen.
Das vollständig bleibende Gebiss besteht aus 28 Zähnen (ohne die Weisheitszähne). Die bleibenden Zähne brechen in einer vorgegebenen Reihenfolge durch.
Der zeitliche Ablauf kann individuell variieren. Orientierung bieten internationale Zahndurchbruch-Tabellen der American Dental Association.
Zahnärzte unterteilen den Zahnwechsel typischerweise in drei Hauptphasen.
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Die frühen Schuljahre (ca. 6 bis 8 Jahre)
Die Zähne des Milchgebisses sind substanzbedingt wesentlich weicher. Deshalb ist es kein Wunder, dass Kinder und Kleinkinder besonders anfällig für Karies sind.
Hier tritt im Besonderen die Nuckelflaschen-Karies hervor.
Den Anfang macht meist der erste große Backenzahn, der sogenannte Sechsjahrmolar.
Er bricht oft unbemerkt hinter dem letzten Milchbackenzahn durch, ohne dass dafür ein Milchzahn ausfällt.
Viele Eltern und Kinder bemerken diesen neuen, wichtigen Zahn zunächst gar nicht.
Kurz darauf beginnen die unteren und dann die oberen mittleren Schneidezähne zu wackeln.
Das ist die Zeit der klassischen „Zahnlücken“, die viele Kinder im Grundschulalter stolz präsentieren.
Die nachwachsenden bleibenden Schneidezähne wirken im Vergleich zu den Milchzähnen oft ungewöhnlich groß, was sich aber mit dem Wachstum des Kiefers wieder normalisiert.
Fast immer sind die Sorgen des Fehlens eines bleibenden Zahnes bei einem verzögerten Durchbruch unbegründet.
Sollte sich der Durchbruch um mehr als sechs Monate verzögern, informieren Sie uns bitte konkret darüber, damit wir gemeinsam die Gründe prüfen können.
Bei Unsicherheiten oder wenn Sie Bedenken haben, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.
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Durchtritt der ersten Backenzähne hinter den Milchzähnen (erst unten dann oben) = hierbei fällt noch kein Milchzahn aus.
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Dann beginnt der erste Milchzahn zu wackeln und die unteren mittleren Schneidezähne werden ausgetauscht.
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Gefolgt von den oberen mittleren Schneidezähnen.
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Nach kurzer Pause kommen die unteren seitlichen Schneidezähne.
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und nach einem Jahr die oberen seitlichen Schneidezähne. Mit 8,5 Jahren sollten alle Schneidezähne (oben und unten) vorhanden sein.
Die späte Grundschulzeit (ca. 9 bis 13 Jahre)
Nach einer kleinen Ruhepause geht der Zahnwechsel in die zweite Runde. Nun werden die restlichen Zähne ersetzt:
- Die seitlichen Schneidezähne
- Die Eckzähne
- Die kleinen vorderen Backenzähne (Milchmolaren)
Anschließend brechen die ersten oberen Prämolaren (Zwölfjahrmolaren) - kleine Backenzähne durch.
Der Milcheckzahn bleibt im Oberkiefer zunächst noch zwischen den neuen bleibenden Schneide- und Backenzähnen stehen.
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Als nächstes werden unten die Eckzähne erneuert
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und die zweiten unteren Prämolaren (kleine Backenzähne).
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Dann erst folgen die oberen Eckzähne
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und die unteren zweiten Prämolaren (kleine Backenzähne) Nun sind alle Milchzähne ausgefallen.
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Als Letzter kommt der zweite große Backenzahn ganz am Ende der Zahnreihe.
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Mit 12,5 Jahren sollten alle Zähne des bleibenden Gebisses (ohne Weisheitszähne) vorhanden sein.
In dieser Phase ist das Gebiss ein sogenanntes Wechselgebiss, eine Mischung aus Milchzähnen und bleibenden Zähnen.
Das Jugend- und frühe Erwachsenenalter (ab ca. 17 Jahren)
Die letzte Phase betrifft die Weisheitszähne. Sie brechen, wenn sie im Kiefer angelegt sind, meist zwischen dem 17. und 24. Lebensjahr durch.
Da der Kiefer oft nicht genügend Platz für diese zusätzlichen Zähne bietet, kann ihr Durchbruch zu Problemen führen, weshalb sie häufig vom Zahnarzt entfernt werden müssen.
Wann kommt und geht welcher Zahn?
Die folgende Tabelle gibt Ihnen einen Überblick über den ungefähren Zeitplan des Zahnwechsels.
Beachten Sie jedoch, dass dies nur Durchschnittswerte sind und der Prozess bei jedem Kind individuell verläuft.
Auch die Bundeszahnärztekammer stellt übersichtliche Informationen zum Zahnwechsel bereit
| Milchzahn | Durchbruch Milchzahn | Ausfall Milchzahn |
|---|---|---|
| Mittlere Schneidezähne | 6. – 12. Monat | 6. – 8. Jahr |
| Seitliche Schneidezähne | 7. – 16. Monat | 6. – 8. Jahr |
| Eckzähne | 16. – 23. Monat | 9. – 12. Jahr |
| Erste Backenzähne | 12. – 19. Monat | 9. – 11. Jahr |
| Zweite Backenzähne | 20. – 33. Monat | 10. – 12. Jahr |
Milchzähne vs. Bleibende Zähne: Was ist der Unterschied?
Auf den ersten Blick sehen Milchzähne und bleibende Zähne ähnlich aus, doch es gibt wichtige Unterschiede.
Das Wissen darüber hilft zu verstehen, warum eine sorgfältige Pflege in jeder Phase so entscheidend ist.
| Merkmal | Milchzähne | Bleibende Zähne |
|---|---|---|
| Anzahl | 20 Zähne (10 oben, 10 unten) | 32 Zähne (inkl. 4 Weisheitszähne) |
| Durchbruch | Ab dem 6. Lebensmonat bis ca. 3 Jahre | Ab ca. 6 Jahren bis ins junge Erwachsenenalter |
| Farbe | Weißlicher, heller | Etwas gelblicher durch dickeren Zahnschmelz |
| Größe | Kleiner und schmaler | Größer und kräftiger gebaut |
| Wurzel | Dünner und kürzer, löst sich beim Zahnwechsel auf | Länger und stabiler, fest im Kiefer verankert |
| Funktion | Platzhalter für bleibende Zähne, Kauen und Sprechen lernen | Dauerhafte Kaufunktion, Ästhetik und Sprache |
| Kariesanfälligkeit | Höher, da der weichere Schmelz schneller von Säuren angegriffen wird. | Dicker und widerstandsfähiger gegen Karies |
| Lebensdauer | Temporär – fallen zwischen 6 und 12 Jahren aus | Dauerhaft – sollten ein Leben lang halten |
| Wurzelbildung | Unvollständig ausgebildet | Vollständig entwickelt |
| Empfindlichkeit | Häufig empfindlicher gegenüber Reizen | Weniger empfindlich bei guter Zahngesundheit |
Der Zahnschmelz der Milchzähne ist nur etwa halb so dick wie bei den bleibenden Zähnen. Das macht sie besonders anfällig für Karies.
Eine unbehandelte Karies am Milchzahn kann auf den darunterliegenden, sich entwickelnden bleibenden Zahn übergreifen und diesen schädigen, noch bevor er überhaupt durchbricht.
Unterstützung während des Zahnwechsels
Der Zahnwechsel ist für Kinder eine Zeit voller Veränderungen – nicht nur körperlich, sondern auch emotional.
Die „Wackelzahnpubertät“ kann bei manchen Kindern zu Unsicherheiten oder leichten Ängsten führen.
Als Eltern können Sie viel tun, um diesen Prozess positiv zu gestalten.
Emotionale Begleitung und Rituale
Feiern Sie den ersten Wackelzahn! Positive Rituale helfen Ihrem Kind, den Zahnverlust als spannendes Ereignis zu sehen.
- Die Zahnfee oder Zahnmaus: Diese Tradition ist weltweit beliebt. Das Kind legt den ausgefallenen Zahn unter sein Kissen und findet am nächsten Morgen eine kleine Überraschung, wie eine Münze oder ein kleines Geschenk.
- Eine Zahndose: Eine spezielle Dose, in der die ausgefallenen Zähne gesammelt werden, kann für Kinder ein stolzer Schatz sein.
Solche Rituale nehmen nicht nur die Angst, sondern motivieren auch zur Zahnpflege.
Tipps für den Zahnwechsel bei Kindern:
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Informieren Sie sich über den typischen Ablauf des Zahnwechsels, um besser vorbereitet zu sein.
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Achten Sie auf Anzeichen dafür, dass der Zahnwechsel beginnt, wie lockere Zähne, Zahnfleischschwellungen oder leichte Schmerzen.
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Ermutigen Sie Ihr Kind, regelmäßig zu putzen und Zahnseide zu verwenden, um die Mundhygiene aufrechtzuerhalten.
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Bieten Sie weiche, zahnschonende Lebensmittel an, um Beschwerden beim Kauen zu minimieren.
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Vermeiden Sie es, an lockeren Zähnen zu ziehen oder daran zu wackeln, da dies zu Verletzungen führen kann.
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Vereinbaren Sie regelmäßige Besuche beim Zahnarzt, um den Fortschritt des Zahnwechsels zu überwachen und eventuelle Probleme frühzeitig zu erkennen.
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Geben Sie Ihrem Kind positive Verstärkung und Lob, um sie bei diesem wichtigen Meilenstein zu ermutigen.
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Denken Sie daran, dass jeder Zahnwechsel individuell ist und es normalerweise einige Monate dauert.
Die richtige Zahnpflege im Wechselgebiss
Während des Zahnwechsels ist eine besonders gründliche Mundhygiene entscheidend.
Das Wechselgebiss mit seinen Lücken, durchbrechenden Zähnen und unterschiedlichen Zahnhöhen ist schwer zu reinigen.
- Gründliches Putzen: Putzen Sie mindestens zweimal täglich die Zähne. Helfen Sie Ihrem Kind dabei und putzen Sie nach, bis es etwa 8-9 Jahre alt ist und die motorischen Fähigkeiten voll entwickelt hat.
- Besonderes Augenmerk auf neue Zähne: Frisch durchgebrochene bleibende Zähne sind besonders kariesgefährdet. Ihr Zahnschmelz ist noch nicht vollständig ausgehärtet – dieser Prozess, die sogenannte
- Schmelzreifung, dauert bis zu drei Jahre. In dieser Zeit lagert der Zahn Mineralien aus dem Speichel ein, um widerstandsfähiger zu werden.
- Fluoridhaltige Zahnpasta: Verwenden Sie eine altersgerechte Zahnpasta mit Fluorid, um den Zahnschmelz zu stärken.
- Zahngesunde Ernährung: Reduzieren Sie zuckerhaltige Getränke und Snacks. Wasser und ungesüßter Tee sind die besten Durstlöscher.
Regelmäßige Zahnarztbesuche
Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt sind während des Zahnwechsels unerlässlich.
Der Zahnarzt kann den Verlauf überwachen, frühzeitig Probleme wie Zahnfehlstellungen oder Karies erkennen und rechtzeitig eingreifen.
Für die neuen Backenzähne kann eine Fissurenversiegelung sinnvoll sein.
Dabei werden die tiefen Rillen auf den Kauflächen mit einem Kunststoff versiegelt, um sie vor Karies zu schützen.
Ein gesunder Start für ein lebenslanges Lächeln
Der Zahnwechsel ist mehr als nur der Austausch von Zähnen.
Er ist ein fundamentaler Prozess, der die Grundlage für die Mundgesundheit im Erwachsenenalter legt.
Ein kariesfreies Milchgebiss ist die beste Voraussetzung für gesunde bleibende Zähne.
Indem Sie Ihr Kind mit Geduld, positiver Bestärkung und der richtigen Pflege durch diese aufregende Zeit begleiten, schenken Sie ihm nicht nur ein schönes Lächeln, sondern auch das Bewusstsein für die Bedeutung guter Zahngesundheit.
Regelmäßige Besuche in unserer Praxis helfen dabei, den Überblick zu behalten und sicherzustellen, dass sich das Gebiss Ihres Kindes optimal entwickelt.
Haben Sie weitere Fragen zum Zahnwechsel oder möchten Sie einen Kontrolltermin für Ihr Kind vereinbaren?
Wir sind gerne für Sie und Ihre Familie da und freuen uns darauf, Sie in unserer Praxis zu begrüßen.
Häufig gestellte Fragen zum Zahnwechsel
Normalerweise ist der Zahnwechsel schmerzfrei.
Die Wurzel des Milchzahns löst sich allmählich auf, sodass der Zahn einfach ausfällt.
Manchmal kann das Zahnfleisch um einen durchbrechenden Zahn herum leicht gerötet oder geschwollen sein, was ein unangenehmes Druckgefühl verursachen kann.
Kalte Kompressen oder gekühlte Beißringe können hier Linderung verschaffen.
Wenn ein bleibender Zahn bereits sichtbar ist, der Milchzahn aber noch fest sitzt (sogenannte „Haifischzähne“), sollten Sie einen Zahnarzt aufsuchen.
In den meisten Fällen erledigt sich das Problem von selbst, da die Zunge den neuen Zahn an die richtige Position schiebt.
Manchmal muss der Milchzahn jedoch gezogen werden, um Platz zu schaffen.
Leichte Schiefstellungen direkt nach dem Durchbruch sind normal.
Die Zähne suchen sich erst ihren Platz.
Die Zunge und die Lippenmuskulatur helfen dabei, die Zähne in die richtige Position zu rücken.
Bei ausgeprägten Fehlstellungen wird Ihr Zahnarzt Sie beraten und gegebenenfalls eine kieferorthopädische Behandlung empfehlen.
Flecken auf den neuen Zähnen können verschiedene Ursachen haben.
Manchmal handelt es sich um eine Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH), auch als „Kreidezähne“ bekannt.
Dabei ist der Zahnschmelz fehlerhaft entwickelt und porös.
Solche Zähne sind sehr schmerzempfindlich und kariesanfällig und benötigen eine spezielle zahnärztliche Betreuung. Suchen Sie bei Verfärbungen immer einen Zahnarzt auf.
Ein vorzeitiger Verlust eines Milchzahns kann problematisch sein, da er als wichtiger Platzhalter für den bleibenden Zahn dient.
Ohne ihn können die Nachbarzähne in die Lücke wandern und den Platz blockieren.
In einem solchen Fall kann der Zahnarzt einen sogenannten Lückenhalter einsetzen, um den Platz bis zum Durchbruch des bleibenden Zahns freizuhalten.
