Pubertät - Zeit der Herausforderung - auch für die Zähne!
Die Jugendlichen beenden ihren Zahnwechsel in der Regel im Alter zwischen 14-15 Jahren.
Ab diesem Zeitpunkt befinden sich alle bleibenden Zähne im Mund. In diesem Zusammenhang kommt es auch zur ersten großen Hormonumstellung. Hierdurch wird vorübergehend das ökologische Gleichgewicht im Biotop Mundhöhle destabilisiert.
Gesunde Zähne während der Pubertät
Dummerweise jedoch fällt genau in diesen Zeitraum die Pubertät. Eine aufregende Zeit, in der viel geschieht. Die Jugendlichen übernehmen mehr Eigenverantwortung, entwickeln ihre Persönlichkeit und verschaffen sich Freiräume. In dieser Phase bestimmen die Jugendlichen u.a stärker selber ihre Nahrung.
- Süßes,
- Chips,
- Fast Food bzw. Softdrinks und Co
sind in der Zeit „Chill dein Leben“ recht häufig anzutreffende Wegbegleiter.
Die Art der Ernährung sorgt nicht nur langfristig für Probleme mit der Nährstoffversorgung sowie dem Körpergewicht, sondern schadet besonders den Zähnen. Wird in der Pubertät die Zahnpflege häufig nicht mehr so eng gesehen.
Wie entstehen die Zahnerkrankungen in der Pubertät
Dadurch entstehen gerne Probleme.
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Zuckerhaltige Softdrinks werden in der Mundhöhle zu Säure umgewandelt.
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Stärke und Mehle (z.B. von Pommes oder Pizza) verarbeiten die Mundhöhlenbakterien erst zu Zucker, dann zu Säure.
Das greift die Zahnsubstanz. Werden die bakteriellen Zahnbeläge nicht täglich gründlich überall gründlich gereinigt, drohen Karies und Zahnfleischentzündung.
Festsitzende Zahnspangen begünstigen die Problematik oftmals zusätzlich, da Speisen gerne zwischen den Bögen und Brackets verbleiben.
Leider bleiben die Schäden, die in dieser Lebensphase entstehen, häufig ein ganzes Erwachsenenleben bestehen.
Zahnfleischentzündung in der Pubertät
Alleine eine Pubertätsgingivitis (Zahnfleischentzündung in der Pubertät) kann bereits den Grundstein für eine spätere, chronische Parodontalerkrankung im Erwachsenenalter legen.
Besonders auffällig ist, dass die Häufigkeit von Zahnfleischentzündung in bestimmten Altersstufen ihren Höhepunkt erreicht:
- bei Mädchen im Alter von 12 Jahren und 10 Monaten und
- bei Jungen im Alter von 13 Jahren und 7 Monaten.
Jugendliche im Alter zwischen 11 und 13 Jahren sind am stärksten betroffen.
Hormonelle Mechanismen spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Erhöhte Hormonwerte, wie sie in der Pubertät typisch sind, erhöhen die Empfindlichkeit des Zahnfleisches gegenüber Zahnbelag erheblich.
Das Zahnfleischgewebe weist spezifische Rezeptoren für Östrogen und Testosteron auf, die sich im Epithel, in den Fibroblasten und in den Blutgefäßen befinden.
Diese hormonellen Veränderungen begünstigen entzündliche Prozesse und können so langfristig Schäden verursachen.
In der Pubertät brauchen die Zähne viel Aufmerksamkeit
Daher macht ein regelmäßiger zahnärztlicher Kontrollbesuch immer Sinn. 2 x jährlich übernimmt jede Krankenkasse die Untersuchungskosten. Parodontitis verursacht lange Zeit keine Beschwerden und bleibt daher vom Patienten in der Regel unerkannt.
Zahnschmuck und Piercing
Was nützen Investitionen in Piercings und Zahnschmuck, wenn der einst schöne, weiße Zahn gammelig braun und kariös ist? Um ehrlich zu sein – gar nichts, denn dann kommt schlicht die Wirkung dieser Dekoration abhanden.
Gut zu wissen: Der Zungen- oder Zahnschmuck ist ein Fremdkörper. Und genau wie bei der festen Spange erhöht sich die Ablagefläche für Beläge und somit für die Bildung von schädlichen Bakterien.
Falls die Zähne, trotz ihrer natürlichen Schönheit, mit Zahnschmuck (Grillz, Sycers, Rap – Caps, Twinkles oder Zahn Tattoos) veredelt oder mit einem Lippen- bzw. Zungenpiercing verziert werden sollen: bitte sprecht zuvor mit eurem Zahnarzt in Neunkirchen-Seelscheid oder Kieferorthopäden!
Piercings oder auch Zahn-schmuck sind und bleiben Fremdkörper. Unsachgemäß angebracht können die vermeintlichen Schmuckstücke Zähne und/oder Zahnfleisch beschädigen.
Medizinisch notwendige Zahnspangen sind teilweise auch nur bedingt kompatibel mit den geplanten Dekorationen.
Die ersten Dates und Mundgeruch
Genauso verhält es sich mit den ersten Dates: ein schickes Make Up /Outfit kann sich sicher positiv auf mögliche Beziehungschancen auswirken. Mundgeruch wegen ungeputzten Zähnen oder gar sichtbare Löchern in den Zähnen lässt die Erfolgsquote eher im Sand verlaufen.
Also: ran an die Zahnpflege, denn nur saubere Zähne sind coole Zähne!
Zahnpflege in der Pubertät
Zahnbürsten reinigen lediglich 70% der Zahnflächen. Zwischen den Zähnen hingegen können die Borsten von der Zahnbürste nicht putzen.
Quelle: Pressemitteilung "Mehrheit überschätzt die eigenen Fähigkeiten beim Zähneputzen" (Universität Gießen, 27.07.2023)
Die Zahnzwischenräume können nur mit Zahnseide oder eine spezielle Zahnzwischenraumbürste (auch Interdentalbürsten genannt) effizient gereinigt werden.
Zur Reinigung festsitzende Zahnspangen wird häufig noch "Spezialwerkzeug" wie eine Einbüschelbürste (auch unter dem Begriff Solo Bürstchen bekannt), eine Sulcusbürste (Zahnbürste mit nur 2 Borstenreihen), Superfloss, Ultrafloss o.ä. benötigt, welches vom Kieferorthopäden selektiv empfohlen wird.
Zusätzlich zur normalen, fluoridhaltigen Zahnpasta kann zur Remineralisierung der Zähne noch einmal wöchentlich ein Fluoridgel oder eine Mundspülung angewendet werden.
Übrigens kann man mit guter Zahnpflege gleich auch Geld sparen: wer gute, regelmäßige Zahnpflege betreibt, hat schöne, gesunde weiße Zähne und braucht weder Bleaching (Zähne aufhellen) noch Zahnersatz!
Intelligente Zahnpflege-Tools
Ein vielversprechender Ansatz, um Zahngesundheit in dieser kritischen Phase zu fördern, sind intelligente Zahnpflege-Tools.
Moderne elektrische Zahnbürsten mit integrierter Sensorik können die Putzgewohnheiten analysieren und Feedback in Echtzeit geben, beispielsweise zu
- Druck
- Dauer
- und Technik.
Diese Geräte lassen sich oft mit Zahnpflege-Apps koppeln, die Fortschritte dokumentieren und individuelle Empfehlungen zur Verbesserung der Mundhygiene geben.
Solche Technologien helfen nicht nur, Putzfehler zu vermeiden, sondern fördern auch das Bewusstsein für eine gründliche und regelmäßige Zahnpflege – ein wichtiger Schritt, um langfristige Zahngesundheit sicherzustellen.
Ihre Zahnärztin unterstützt Eltern
Eine Zahnlücke und Mundgeruch waren noch niemals in Mode.
Die Eltern brauchen viel Geduld, um die Teenager für die Zahnpflege zu motivieren. Mit der Unterstützung und den richtigen Argumenten von ihrer Zahnärztin und von unserem Fachpersonal lassen sich aber auch Putzmuffel überzeugen.

